Konzeption

1.0 Situation

Mit der Renovierung eines alten Gewächshauses wird (in unmittelbarer Nähe zum Schloss Beuchow und zum Landwarenhaus) eine weitere Baulichkeit im Ort entstehen, die für Spreewald-Besucher attraktiv sein wird. Das Angebot, das sich rund um die alte Gärtnerei an Touristen richten wird, ist bislang nur grob umrissen; erste Ideen dazu befinden sich in den Bereichen „Verkauf von Manufaktur-Waren“, „Ausstellungen zu landwirtschaftlichen Anbau-Methoden“ und „Local Food Markets“. Fest steht bereits die Funktion der Gewächshaus-Seitenschiffe. Ab April 2022 werden diese zum ökologisch nachhaltigen Anbau von Obst und Gemüse, das durch die Unternehmung „Landware“ verkauft und verarbeitet wird, genutzt. Sie erweitern somit die bisherigen „Open-Air“-Anbauflächen der Unternehmung, die sich auf einigen Feldern im Ort befinden.

Mit dem Anbau von „Landware“ im eigenen Gewächshaus hält auch eine völlig neue Form der Landwirtschaft Einzug ins Portfolio der Unternehmung: „Vertical Farming“ ist eine progressive, ebenfalls ökologisch nachhaltige, aber (im Gegensatz zum No-Dig-Gardening-Verfahren, an dem sich Landware bisher orientiert hat) vor allem auf Technologie basierende Anbau-Methode.Demnach bringt die Situation zwei Themen hervor, die es erst einmal getrennt voneinander zu betrachten gilt:

  1. Es entsteht ein neuer Ort (→ „Neue Gärtnerei“)
  2. Es wird eine neue Anbau-Methode genutzt (→ „Vertical Farming“)
1.1 „Neue Gärtnerei“

Die Immobilie des alten Gewächshauses stammt aus der Zeit der ehemaligen DDR und ist darüber hinaus nicht weiter datiert. Historisch ist der Bauweit weniger bedeutsam als seine „Nachbarn“ Schloss Beuchow und Landwarenhaus. Trotzdem muss deutlich betont werden, dass die Unternehmung mit der Neunutzung des Gebäudes einen weiteren authentischen Ort in Groß Beuchow für die Zukunft erhält. Bis zum Verkauf im vergangenen Jahr wurde das Gebäude für den Betrieb einer Gärtnerei genutzt.

Der Ankauf der Immobilie durch die Corvus Group stand ursprünglich nicht im Zusammenhang mit „Vertical Farming“. Geplant war der Erhalt der Anlage zum Anbau für „Landware“ nach dem bis hier hin erfolgreich praktizierten „klassischen“ Anbau-Verfahren, sowie die Erweiterung des Landware-Portfolios durch den ökologisch nachhaltigen Anbau von Schnittblumen. Neben dem Produktionsbetrieb für Landware soll die alte Gärtnerei in Zukunft für touristische Zwecke zur Verfügung stehen, für die das Mittelschiff des Gewächshauses, sowie das Außengelände der Anlage vorgesehen sind.

1.2 „Vertical Farming“

Ihren Ursprung hat die Idee zu „Vertical Farming“ im Problem der Lebensmittel-Versorgung von Menschen in immer größer werdenden Städten. Im urbanen Raum fehlen für den Anbau von frischem Obst und Gemüse vor allem die Flächen, die sich in der traditionellen Landwirtschaft (in Form von Feldern) horizontal ausbreiten. Zur Lösung dieses Problems wurde in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts die Idee von vertikalen Flächen für die Landwirtschaft entwickelt, die durch einen „Etagen-Anbau“ (ähnlich dem Prinzip von Wolkenkratzern) mit kleinen Grundflächen auskommen kann. Das Resultat ist eine völlig neue Form der Landwirtschaft, die den „natürlichen“Kreislauf verlässt und ihn durch einen „technologischen“ ersetzt: Für den vertikalen Anbau sind vertikale Beleuchtungs- und Bewässerungssysteme notwendig, die nur in technischen „Tower Farms“ installiert werden können. Trotz des durch die Technologie bedingten Energieaufwands gilt „Vertical Farming“ als ökologisch nachhaltig, ressourcenschonend, lösungs- und zukunftsorientiert.

1.3 Vertical Farming und Landware

Landware widmet sich der ökologisch nachhaltigen Produktion von qualitativ hochwertigen Lebensmitteln. Das Interesse der Unternehmung gilt Alternativen zu den konventionellen industriellen Anbaumethoden, die sie als „schlecht“ (= ungesund, zerstörerisch und ausbeutend; s.u.) für Mensch und Umwelt identifiziert hat. Aus diesem Grund hat sich Landware bislang auf traditionelles (sozusagen auf „vorindustrielles“) Wissen konzentriert und von solchen Methoden gelernt, die ausschließlich auf natürliche und somit nachhaltige Weise wirtschaften. Dass die Unternehmung nun eine neue Methode kultiviert, die im Kern nicht mehr „natürlich“ sondern „technologisch“ ist, ist dazu alles andere als ein Widerspruch: Das Interesse von Landware an „Vertical Farming“ ist schlüssig, weil sich die Unternehmung (bei aller Wertschätzung für das „Ländliche“) keiner „Land-Romantik“, sondern der nachhaltigen Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion verpflichtet fühlt. Der Versuch, in diesem Bereich auch völlig neue Wege zu gehen, ist ganz im Sinne der Unternehmung: „Entscheidend… ist, dass [Landware] … nicht wehmütig und romantisierend ’nach hinten‘ blickt, sondern als ernstzunehmender Vorschlag für die Zukunft verstanden werden will“, „Das Projekt … beteiligt sich aktiv an der Suche nach besseren Mitteln und Wegen in der Lebensmittelproduktion“ und „[Die Unternehmung] geht ‚den Schritt zurück‘, weil sie an der Zukunft, nicht an der Vergangenheit festhält! Emotional bedeutet das ‚von heute, nicht von gestern‘, ‚gut ausgebildet, nicht bauernschlau‘ und ‚ganz vorne mit dabei, nicht abgehängt’“ sind Auszüge aus dem ursprünglichen Konzept zu Landware von 2020. Dass die Unternehmung zwei Jahre später auf eine für konservative Landwirte vielleicht avantgardistisch wirkende Entwicklung eingeht, steht in keinerlei Gegensatz zu ihren Grundsätzen, die wie folgt zusammengefasst werden können:

„Gutes Leben ist gesund, nachhaltig und fair.“

Alle drei Punkte werden vom „Vertical Farming“ erfüllt („gesund“: hervorragende Qualität und hoher Nährstoffgehalt; „nachhaltig“: Transportwege werden kürzer / Kreislaufwirtschaft spart Ressourcen ein / eingesparte horizontale Flächen zur Landwirtschaft können in einen naturbelassenen Ursprungszustand zurückgeführt werden; „fair“: die Bedingungen für Arbeitende sind oft besser als in der traditionellen landwirtschaftlichenProduktion).
Aus der Sicht von Landware sind „No-Dig Gardening“ und „Vertical Farming“also nicht mehr und nicht weniger zwei unterschiedliche Verfahren mit dem selben Ziel. Sie buchstäblich „unter einem Dach“ zu vereinen, ist für die Unternehmung eine logische Konsequenz. Ihre Absicht ist es, Erfahrungen mit alternativen Anbaumethoden zu sammeln, um der konventionellen Landwirtschaft substanziell etwas entgegenzusetzen. „Sowohl als auch“ ist dabei nicht nur deutlich wertvoller als „entweder oder“, es entspricht der grundsätzlichen Haltung der Unternehmung im Sinne von Offenheit und Experiemtierfreudigkeit.

2.0 Idee: „Landwarenhaus — The next Generation“

Wenn man den Bereich „Vertical Farming“ nicht als eigenständiges Projekt, sondern als einen weiteren, ergänzenden und gleichberechtigten Punkt im Landware-Portfolio betrachtet, können die Unterschiede der beiden Verfahren die Bandbreite der Unternehmung unterstreichen: Wie unter 1.3 beschrieben, ist Landware gleichzeitig traditionsbewusst und zukunftsorientiert, ebenso „ländlich“ wie „urban“ geprägt. Das Vermitteln zwischen diesen Gegensätzen verhält sich für Landware wie die Nähe vom Spreewald zu Berlin. Durch die Auseinandersetzung mit dem Problem der Versorgung in beiden Bereichen stellt sich Landware breiter auf und wird zum undogmatischen Spezialisten für zukunftsfähige Landwirtschaft. Trotz der Neuartigkeit und dem bestehen auf Technologie benötigt der Bereich „Vertical Farming“ somit keinen anderen Markenkern als den, der bereits in Landware verankert ist. Er vertritt die selben Werten, Ziele und Qualitäten, die auch für den Rest der Unternehmung gelten.

Während im Landwarenhaus die Aspekte „Gemeinschaft“ (Zusammenschluss verschiedener regionaler Anbieter) und „Feinkost“ (innovative Gastronomie im Landware-Imbiss) deutlich werden, besitzt das Gelände der alten Gärtnerei das Potenzial, unter dem Label „Landware“ den Bereich des eigenen Anbaus für Besucher sichtbar zu machen. Dieser hat bisher auf Feldern stattgefunden, mit denen Kunden und Besucher kaum in Kontakt kommen konnten, weil es dazu schlicht keinen Grund gab. Mit der Gärtnerei ergibt sich nun die Möglichkeit, die Basis der Marke (im Konzept von 2020 als „Landware Produktionsbetrieb“ beschrieben) zum Erlebnis zu machen. Der touristische Ort, der dabei entsteht, kann Schnittmengen zu allen bisherigen Unternehmungen der Corvus Group in Beuchow aufweisen: Je nach Nutzungskonzept finden sich Elemente von Schloss Beuchow“ (historische Substanz bewahren und zukunftsfähig neu nutzen; Altes und Neues zusammenbringen), vom „Landware Produktionsbetrieb“ (ökologisch nachhaltiger Anbau von „guten“ Lebensmitteln), vom Restaurant „Alte Kirche“ bzw. vom Landware-Imbiss (Zubereitung von Feinkost-Spezialitäten mit regionalem und saisonalem Bezug) und vom Landwarenhaus (Verkauf von regionalen und qualitativ hochwertigen Gütern). Es gilt sorgfältig zu prüfen, in wieweit dadurch intern Konkurrenz-Situationen entstehen können! Um wertvolle Synergie-Effekte zwischen den Betriebsstätten zu erzielen, könnte die Nutzung des Geländes auf ergänzende Angebote ausgerichtet werden (z.B. könnte man dort keine weitere gleichbleibende Gastronomie etablieren und stattdessen eine Art „Sonder-Gastronomie“ mit wechselnden Themen anbieten, die durch ihren Event-Charakter das Angebot im Landwarenhaus flankiert).